06.05.15, 11:11:42

8. Mai Tag der Befreiung

Die Bombenlücken, die Ruinen, die Einschusslöcher an den alten Fassaden der Stadt sind fast alle verschwunden.
Kaum eine Mietskaserne runzelt noch die Stirn. Die Zeitzeugen sterben weg. Die offensichtlichen Spuren des Krieges verschwinden.
Sie machen einer neuen Erinnerungskultur Platz.
Doch Stolpersteine und Gedenktafeln sind mir zu abstrakt, zu dezent und zu weit weg.

Wenn es mir schon so geht, wie ist das erst für Menschen, die 15 oder 20 Jahre jünger sind als ich?
Ich glaube nicht, dass Schilder, Denkmäler oder Museen die Kraft haben, das zu vermitteln, was sich auf den Straßen von Berlin vor 70 Jahren zugetragen hat.
Und mich ärgern in diesen Tagen Formulierungen in Mainstream-Medien wie: „Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung der Konzentrationslager“.

Der 8. Mai steht für mehr. Ich verbinde damit die Befreiung vom Hitlerfaschismus:
ein Wort, dass im offiziellen Sprachgebrauch seit 25 Jahren tabu ist.
Die Bedeutung dieses Tages zu beschränken auf das Kriegsende und das Erinnern an die schrecklichsten Verbrechen des NS-Staats,
verharmlost nicht nur das Nazi-Regime,es nimmt auch die Last der Schuld von den Schultern derer, die ihm angehörten,
die mitliefen, mitmachten.

Der 8. Mai steht nicht nur für einen gewonnenen oder verlorenen Krieg,
nicht nur für offene Lagertore, sondern für das Ende einer durch und durch menschenverachtenden Gesellschaftsform.
Wer das verschleiert, verharmlost und beschneidet und das Hitler-Regime permanent mit der DDR vergleicht, den vermeintlichen Sozialismus in Nationalsozialismus betont, diskreditiert die Menschen, die sich in größte Gefahr gebracht
und ihr Leben geopfert haben, damit nachfolgende Generationen nicht nur in Frieden, sondern auch frei
von Nazi-Ideologie leben können.

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